Nachträgliche Fensterabdichtung möglich? (bereits verputzt)
Ist eine nachträgliche Fugenabdichtung an bereits eingebauten Fenstern möglich, auch wenn der Außenputz und der Innenausbau bereits fertiggestellt sind?
Leider nicht problemlos. Aussenseitig kann ohne weiteres nachträglich mit der illbruck Fensterleiste schlagregensicher und dampfdiffusionsoffen abgedichtet werden.
Bei der inneren Fensteranschlussfuge sieht das schon schlechter aus, ohne den Putz zu beschädigen. Es bleibt auch hier nur die Anwendung "aufbauender" Bauteile, wie Leisten oder Winkel.
Die Anwendung von FA 101 Fenster- und Anschlussfugensilikon und Butylband-Vlies wäre denkbar, illmod 600 mit der Fensterleiste ist innen allerdings nicht einsetzbar.
Ein Beispielfall aus der Praxis:
Beim Bau meines Hauses wurden die Fensterfugen ohne Abdichtung ausgeschäumt. Sofortige Mängelrüge durch Bausachverständigen wurde vom Bauträger ignoriert und der Innenputz wurde trotzdem aufgebracht. Der Aussenputz wurde daraufhin von uns gestoppt und ist noch nicht vorhanden. Die Fugen sind also von aussen noch zugänglich. Inzwischen wohnen wir im Haus und es zieht durch alle Ritzen (Fensterleibungen, Fensterbänke)
Ein unabhängiger Sachverständiger hat den Vorschlag gemacht, den Bauschaum von aussen mechanisch zu entfernen, den Innenbereich der Fugen von aussen her mit Acryl auszuspritzen und die Fugen dann mit PU-Schaum und äußerer Abdichtung weiter aufzubauen.
Meiner Meinung nach ist das keine geprüfte dauerhafte Abdichtung im Sinne von DIN 4108-7. Ein rückstandfreies mechanisches Entfernen des alten PU-Schaums von aussen erscheint mir kaum möglich, daher frage ich mich, wie das Acryl ordentlich haften und dauerhaft abdichten soll. Es wäre mir lieber, es würden erprobte Systeme eingesetzt.
Welche Möglichkeiten habe ich, nachträglich eine dem Stand der Technik entsprechende Abdichtung zu bekommen? Ich wäre bereit, falls nötig die Innenleibung wieder öffnen zu lassen.
Antwort von illbruck:
Eine nachträgliche Abdichtung der inneren Fensteranschlußfuge im Sinne der EnEV und der DIN 4108-7 ist nur schwer möglich. Dazu sind in der Regel aufbauende Leisten o.ä. notwendig, welche aus Platz- und Optikgründen meistens nicht infrage kommen.
Eine sach- und fachgerechte innere Fugenabdichtung ist von aussen definitiv nicht möglich. Der vorgeschlagene 'chirurgische Eingriff' von aussen ist handwerklich und vor allem fachlich absolut unhaltbar.
Acryl gehört in der Regel nicht in eine Fensteranschlußfuge, weil nach Ral und IVD-Merkblatt Nr 9 definitiv 15% Bewegungsaufnahmefähigkeit vorgeschrieben ist. Acryl hat nur 10%.
Zu einer fachgerecht ausgeführten Versiegelung gehöhrt eine entsprechend vorbereitete Fugenflanke (Glattstrich, Primer (RAL,4108-7)), eine Hinterfüllung mit einer geschl. Rundschnur (DIN 18540, IVD 9) und natürlich der richtige Dichtstoff.
Die aufwendigste aber auch technisch beste Lösung ist in diesem Fall sicherlich das Öffnen des Putzanschlusses um eine "Fensterfolie Innen" zu montieren, mit einer Flachleiste abzudecken und anschließend wieder anzuputzen. Selbst eine sachgerechte Silikonverfugung von innen her wäre eine denkbare Möglichkeit, wenn die Fuge nicht größer 25mm ist. (in beiden Fällen Glattstrich nicht vergessen)

